Die Neue
Autorin: Clemonie
Egal wie lange man selbst schon im Milieu ist; irgendwann wird sie einem begegnen. Die Neueinsteigerin.
Persönlich habe ich es schon viel zu oft erlebt. Oft findet der Einstieg durch Gewalt statt, doch selten trifft man doch auf die „Neue“ aus guten Verhältnissen. Diese Frauen haben ein verzerrtes Bild vom Milieu, wissen es aber nicht. Selbst weiß man natürlich mehr, aber auch wenn man diesen Frauen etwas darüber sagen will, würden sie es doch nicht hören wollen. Zu tief sitzt die Lobbypropaganda.
Selbst weiß man natürlich um eine Grundregel aus dem Rotlicht; so wenig von dir selbst dem Freier zeigen, wie es nur geht. Keine echten körperlichen und psychischen Reaktionen auf ihn. Dieses Schauspiel ist ein Selbstschutz, um am Abend noch in den Spiegel schauen zu können. Freier wollen am liebsten alles von den prostituierten Frauen. Körper, Geist und Seele. Deshalb legen wir Frauen uns eben dieses Schutzschild zu, um vielleicht ein bisschen weniger verletzlich zu sein, als wir es ohnehin schon sind. Schließlich weiß man bei keinem Freier zu 100%, was er tun und wie er reagieren wird und ob er uns am Ende nicht sogar tötet.
Vor einigen Monaten traf ich eine solche Neueinsteigerin bei der Arbeit. Nennen wir sie Jana. Sie erzählte mir, dass sie ohnehin gerne Sex habe und auch mit ihrem Mann regelmäßig in einen Swingerclub ginge. Nun wollte Jana das „angenehme mit dem Nützlichen verbinden“ und in die Prostitution einsteigen. Sie sei überrascht, sagte sie mir, dass sie bisher „alles so gut wegstecke“. Klar, dachte ich mir und schaute an die Decke. Das sagen und denken sie alle am Anfang. So oft habe ich Ähnliches schon von Neueinsteigerinnen gehört. Leider weiß ich aber, dass es eines Tages ein böses Erwachen geben wird. Die Erkenntnis, diesen gewaltvollen Männern so viel von sich gezeigt zu haben. Ein echtes Lächeln, die echte Nähe und vielleicht einen echten Höhepunkt?
Also sagte ich nichts zu ihren Ausführungen, auch wenn ich Jana am liebsten geschüttelt hätte. Dann hätte ich sie angeschrien, zu laufen, so lange sie noch kann. Aber ich tat nichts dergleichen. Vielleicht bin ich damit Teil des Problems? Ich weiß es nicht.
Sie hätte eh nicht auf mich gehört, das weiß ich leider.
Derartige Situationen erinnern mich immer an meinen eigenen Einstieg, auch wenn dieser keineswegs freiwillig und schon als sehr junges Mädchen geschah, doch auch damals habe ich mir eingeredet, damit gut klar zu kommen. Heute weiß ich, dass das ein Schutzmechanismus ist.
Wie kann es sein, dass wir in einem Land leben, welches die Lobbypropaganda derart zulässt, dass Frauen von ihr so verblendet werden? Wo bleiben die Gegendarstellungen? Wann wird in den Medien endlich ein realistisches Bild des Milieus gezeigt?
Aber noch viel wichtiger; wo sind die Gesetze, die uns wirklich schützen?
Ich kann das alles nicht mehr. Deutschland muss endlich aussteigen.
2026 © Clemonie