Nach der Anzeige zu einem Fall von Kindesmissbrauch 2015 in Remscheid gab es zunächst nur ein Handyfoto eines verdächtigen Mannes. Zehn Jahre später klickten die Handschellen in Italien. Jetzt steht der Mann vor dem für schwere Straftaten zuständigen Landgericht Wuppertal.
Artikel ansehen
Zusammenfassung ansehen
Die Polizei hatte anfangs für ihre Suche nur ein sommerliches
Handyfoto eines jungen Mannes mit dunkler Sonnenbrille: Er war verdächtig eines sexuellen Übergriffs auf ein elfjähriges Mädchen in einer Remscheider Wohnung. Zunächst waren weder Adresse noch Name bekannt.
Zehn Jahre nach Erlass des Haftbefehls von 2015 steht ein nun 29-Jähriger vor dem Landgericht Wuppertal.
Ermittlung in ItalienEr wurde dieses Jahr in Italien festgenommen: Laut seiner Aussage hatte er zehn Jahre dort unentdeckt als Vorarbeiter in einer Reinigung gearbeitet. Als Behörden seine Daten abglichen, fiel auf, dass er international gesucht wurde.
Handychat belegt Kontaktaufnahme zu MädchenDer Fall ist untypisch, weil das größte Missbrauchsrisiko für Kinder im Bekanntenkreis besteht. Im Fall der Elfjährigen soll der Mann zusammen mit Freunden das ihm fremde Mädchen und eine ihrer jugendlichen Freundinnen über einen Handy-Chat kontaktiert haben. Sie sollen die Mädchen überredet haben, sich mit ihnen zu treffen.
Augenzeugin berichtet von Angst und SchamDie ältere Freundin sagte im Gericht aus, sie habe in der Tatortwohnung mit ansehen müssen, wie die Jüngere gegen ihren Willen von einem Mann entkleidet wurde: „Ich hatte Angst. Ich wollte meine Freundin retten!“
Es sei beiden gelungen, zu entkommen. Zunächst hätten sie aus Scham weder der Polizei noch den Eltern etwas sagen wollen. Die Eltern der Jüngeren kamen dennoch darauf, weil sie deren Handy kontrollierten.
Anzeige führte zu akribischen ErmittlungenDie Handynummern der Männer waren auf falsche Namen registriert, sagte eine Polizistin aus. Jedes der Mädchen hätte aber den Weg in der Innenstadt zeigen können, den sie gegangen waren.
Sie führten die Beamten unabhängig voneinander zu zwei unterschiedlichen Adressen; eine davon ein städtisches Flüchtlingsheim. Die Stadtverwaltung konnte zwar nur teilweise angeben, wer sich dort wann aufhielt, wohl aber, wer dort staatliche Leistungen bezog.
Muttermal auf einem Foto führte zum AngeklagtenAus den Verdächtigen wählte eine Ermittlerin einen Mann aus, der laut ihrer Einschätzung zum Handyfoto passte, weil ein Muttermal identisch war: Die Personalien waren die des jetzt angeklagten Mannes.
Der saß im Gericht ruhig neben seinem Anwalt und gab Auskunft: Er sei 2013 als 16-jähriger vor den Taliban aus Pakistan geflohen, über die Türkei und Ungarn. Später sei er nach Italien gegangen und habe von da aus seine Frau unterstützt, die er vor der Flucht geheiratet habe. Sie habe einen Sohn von ihm.
Hintergrund ist DrogenkonsumAn das Geschehen 2015 erinnere er sich nicht mehr, sagte der Mann: Er habe damals zusammen mit anderen Geflüchteten Drogen konsumiert. Wohl aber zeige das Handyfoto ihn.
Das Landgericht will am 4. September 2026 letzte Zeugen befragen und anschließend sein Urteil verkünden.
Verhandlungsbeginn vor dem Landgericht Wuppertal, 10. Strafkammer, vom 27. August 2026. Ich berichte vom Besuch des Termins.#Remscheid #Justiz