
von Pani Fem
Liebe Freundinnen und Freunde,
ich habe gestern eine Protestaktion vor der Bundes-Kunst-Halle in Bonn gemacht, zusammen mit Carla, einer Aktivistin der Initiative "Lasst Frauen Sprechen", anlässlich der Austellung "Sex Work: Eine Kulturgeschichte der Sexarbeit".
Es müsste ehrlicherweise Gewalt-Geschichte heißen, eine Un-"Kultur", doch an diesem Auge ist die Ausstellung blind.
Weitere Informationen:
https://www.bundeskunsthalle.de/s3xworkDas Museum kann an diesem Wochenende (06 - 07.06) kostenlos besichtigt werden und das lockt viele Besucher an.
Die Ausstellung habe ich auch besucht, was für mich als Betroffene belastend und teilweise verletzend war. Ich habe die Ausstellung als tendenziös, voyeuristisch und teilweise pornografisch wahrgenommen. Sie ist eher etwas für Gaffer und Spanner, man versteht nichts über das System der Gewalt, der Ausbeutung und des Frauenhasses.
Direkt nach dem Eingang in die Ausstellung befindet sich eine großformatige Video-Installation zu BDSM-Praktiken in der Öffentlichkeit (Domina peitscht einen Freier in der Einkaufs-Straße), was in Deutschland eindeutig verboten ist.
Verstörend waren die vielen Kinder vor und in dem Museum - Kinderschutz findet gar nicht mehr statt. Die offizielle Empfehlung am Eingang der Ausstellung lautet: "Wir empfehlen einen Besuch ab 16 Jahren." Eintritt für Kinder war jedoch erlaubt. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie kleine Kinder (3-4 Jahre) im Buggy von den Vätern durch die Austellung geschoben wurden! Ich kann es nicht nachvollziehen, dass das so hingenommen wird und keine Anzeige wegen Verletzung des Kinder-Schutzes gegen das Museum erfolgt und Kinder in aller Öffentlichkeit der Pornografie ausgesetzt werden.
Es gibt in der Ausstellung noch eine kleine Ecke zum Thema Wehrmacht- und KZ-Bordelle, man versteht aber wenig. Wobei in diesem Zusammenhang von "(Sex-)Arbeit" zu sprechen, finde ich sowohl sachlich falsch als auch respektlos und pietätlos gegenüber den Opfern, die faktisch versklavt, entmenschlicht, dauer-vergewaltigt und vernichtet wurden!
Als Zeichen des stillen Protests habe ich einige Karten mit der Aufschrift "Rote Karte für Freier" und fünf Zettel mit Opfern aus NRW in der Ausstellung ausgelegt.
Danach haben wir draußen vor dem Eingang ins Museum etwa drei Stunden lang in Dauer-Schleife den Text "Die Neue" von Clemonie und die Namen der Opfen in der Prostitution in NRW vorgelesen. Eine Mutter mit drei Kindern hat uns gebeten kindgerecht zu erklären, wer Freier sind - das war hart.
Abgesehen von einigen negativen männlichen Reaktionen vor dem Eingang ist unsere Protest-Aktion gut gelaufen. Es gab viel positive Resonanz und Interesse, insbesondere von Frauen. Wir konnten viele Flyer und Informationen verteilen und einige Gespräche führen.
Link zum Video:
https://magentacloud.de/s/4iPXTKF7oZpqSCqEine ähnliche Aktion habe ich bereits vor sechs Jahren, im Oktober 2020, im Zentrum von Dortmund gemacht, mit Unterstützung der Frauen aus der Städte-Gruppe Dortmund von Terre des Femmes. Damals gab es wenig Interesse und Reaktionen von den Passanten. Unten sind einige Fotos dieser Aktion zu sehen.
Ich danke ganz herzlich Clemonie für ihren Text, Carla und der Initiative "Lasst Frauen Sprechen" [1] für ihre fantastiche Unterstützung und dem Projekt "Sex Industrie Kills" [2] für ihre umfangreiche Dokumentation und einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungs-Kultur an die Opfer der Prostitution in Deutschland!
2026 © Pani Fem
[1] Initiative Lasst Frauen Sprechen,
https://lasst-frauen-sprechen.de/[2] Projekt Sex Industrie Kills,
https://sexindustrykills.de/Aktion in Dortmund, Oktober 2020:




