Teil- und Vollsperrung der Bundesstraße nach Fehmarn – die Insel ist quasi von der Außenwelt abgeschnitten
Kurz vor Fehmarn ist gerade Infrastrukturapokalypse.
Gestern im Laufe des Tages
wurde die B 207 zwischen Großenbrode und der Fehmarnsundbrücke einseitig gesperrt, weil die Fahrbahn an einer Stelle abgesackt ist. Das heißt, die Absackung war schon länger bekannt, aber erst gestern wurde es für nötig gehalten, die Richtungsfahrbahn nach Fehmarn zu sperren und an der nur noch einspurigen Stelle eine Ampel einzurichten.
Relevanter Kartenausschnitt mit Markierung:
https://www.openstreetmap.org/search?lat=54.38571&lon=11.09947&zoom=16#map=12/54.4212/11.1607Der aufmerksame Betrachter wird eins feststellen: Es ist unmöglich, diese Stelle irgendwie auf der Straße zu umfahren. Es sei denn, man juckelt über Flensburg und durch beinahe ganz Dänemark.
Jetzt ist das aber keine popelige Landstraße. Zum einen ist das die einzige Verbindung überhaupt nach Fehmarn mit 12.000 Einwohnern und zahllosen Touristen, von denen morgen etliche aus dem Sommerurlaub wieder nach Hause wollen – zumindest die einzige, die nicht über Dänemark läuft.
Zum anderen ist das auch die E 47, die wichtigste Straßenverbindung zwischen Skandinavien und Mitteleuropa überhaupt. Alle halbe Stunde kommt in Puttgarden eine Fähre voller Pkw und Laster und Busse und noch mehr Laster an, die alle über die zweispurige Strecke „nach Europa“ wollen.
Konsequenz: Staus sein Vadder.
Die Sundbrücke ist ja an sich schon ein Nadelöhr. Die wird gerade saniert und darf nur mit 30 km/h passiert werden. Die hat gerade eben genug Kapazität für den ganz regulären Verkehr. Wenn Ferienrückreiseverkehr ist, fängt es an zu stocken. Wenn dann auch noch das Bullitreffen zu Ende ist, ist Schicht im Schacht. Wohlgemerkt, mit immer noch zwei nutzbaren Fahrspuren, eine pro Richtung. Und jetzt gibt’s ein Stück weiter südlich nur noch eine Fahrspur für beide Richtungen.
Auf beiden Seiten staut sich folglich der Verkehr, aus Puttgarden bis Puttgarden, vom Festland wohl inzwischen bis vor Heiligenhafen. Von Heiligenhafen bis Fehmarn waren jetzt zuletzt Zeitverluste von zwei Stunden normal, in die Gegenrichtung auch.
Bekanntlich ist ja die Bahnstrecke zwischen Neustadt und Puttgarden seit 2022 voll gesperrt zwecks Umbau zur Hinterlandanbindung des Fehmarnbelttunnels. Ersatzweise fährt die
Buslinie X85. Die passiert zwischen Großenbrode und Fehmarn genau dieses Nadelöhr – oder würde passieren. Wenn sie da wirklich fahren würde, bräuchte DB Regio vier bis fünf zusätzliche Busse nebst Fahrern, die dann ungefähr die Zeit, die sie normalerweise von Lübeck nach Puttgarden brauchen, noch einmal zusätzlich im Stau verplempern würden.
Folglich fährt die Linie X85 nur noch zwischen Lübeck und Heiligenhafen, wo die X85 eigentlich gar nicht hält. Wie man von Heiligenhafen weiterkommt, ist einem selbst überlassen.
Zwischen Heiligenhafen und Burg fährt eigentlich auch die von Rohde bediente Buslinie 590, zumindest werktags im Stundentakt. Aber wenn die X85 nicht durchkommt, kommt die 590 auch nicht durch.
Gestern hatten wir Glück. Da gab es noch eine abendliche Busfahrt von Heiligenhafen nach Großenbrode, die dann leer wieder zurückgefahren wäre, und dann hätte der Fahrer Feierabend gehabt. Geistesgegenwärtigerweise hat der Fahrer bei der Leitstelle beantragt, nach Fehmarn weiterzufahren, und zwar mit Passagieren. Er ist ja eh Fehmaraner und wollte selbst irgendwie nach Hause.
Heute habe ich in Burg in zwei Stunden nur einen 590 gesehen. Der kam vom Festland mit zwei Stunden Verspätung, und der Fahrer hatte Feierabend.
Ich schätze, Rohde hat den Verkehr nach Fehmarn inzwischen aufgegeben, weil der zuviele Wagen und Fahrer bindet.
Taxis fahren von und nach Fehmarn auch keine mehr, von Heiligenhafen wohl auch nicht. Taxi Barnasch nimmt überhaupt keine Bestellungen mehr an; vermutlich haben alleine die schon fast alle ihre Wagen im Stau nach oder von dem Festland. Für einmal von Heiligenhafen nach Fehmarn und zurück kann man fünf Stunden einkalkulieren. Normal käme man in dieser Zeit wohl nach Bremen und zurück. Pro Schicht kann man das eigentlich nur einmal machen.
Es wird noch besser:
Aktuell wird die B 207 mehrfach voll gesperrt, was Fehmarn weitestgehend von der Außenwelt abschneidet. Angekündigt sind die Sperrungen für zwischen 16 und 18 Uhr. Aber auf solche Ankündigungen würde ich mich nicht blindlings verlassen. Und selbst wenn – es gäbe dann immer noch massive Rückstaus abzubauen.
Ich frage mich sowieso, was sie da so kurzfristig machen wollen. Wie gesagt, das ist keine Landstraße. Normalerweise fahren da Sattelzüge alle paar Sekunden, dazwischen sogar die großen achtachsigen skandinavischen Eurokombis. Bitumen hält da nicht mal von zwölf bis Mittag.
Okay, gerade gehört, auf den letzten Metern der A1 bei Heiligenhafen in Richtung Fehmarn hat es gekracht, da ist jetzt eh Vollsperrung. Aber der Verkehrsfunk hat den ganzen Tag noch keinen Pieps über das Nadelöhr bei Großenbrode gemeldet. Der NDR berichtet überhaupt nichts über diese Situation bis auf
die Verkehrsmeldungen auf ndr.de. Die NAH.SH-Website sagt übrigens auch nichts. Aber Wagrien ist eh der Arsch der Heide; was da passiert, kriegt eh keiner mit.
Ich habe vorhin die verschiedensten Ausweichpläne gehört. Einige überlegten, mit dem Rad zu fahren. Eine Frau ist tatsächlich zu Fuß in Richtung Sundbrücke losgelaufen. Jemand anders wollte sich mit einem Taxi an die Brücke fahren lassen und sich ab da zu Fuß durchschlagen. Anders kommt man realistisch nicht aufs Festland. Das klappte aber auch nicht.
Ich selbst werde noch eine Nacht in der alten Heimat verbringen. Hoffentlich ist das Theater morgen vorbei – und wir hören nicht statt dessen irgendwas Vages mit „Komplikationen“ und „Verzögerungen“.
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